Die geografische Signatur: Wasser als Baumeister

Karte des Nuthe-Nieplitz-Dreiecks

Die Identität des Landes zwischen Fläming und Havel wird primär durch sein komplexes Netz aus Fließgewässern bestimmt. Es ist eine Landschaft, die ihre Existenz und ihren Namen direkt der Dynamik zweier Flüsse verdankt: der Nuthe und der Nieplitz. Um die geografische Signatur dieses Raumes zu verstehen, muss man den Spuren des Wassers von den Höhenzügen des Flämings bis hin zur Mündung in die Havel folgen.

Die Nuthe: Lebensader aus dem Fläming

Die Nuthe ist nicht irgendein Fluss – sie gilt als der wasserreichste aller Flämingflüsse. Ihr Ursprung liegt eingebettet in einer sanften Hügellandschaft zwischen dem Niederem und dem Hohen Fläming. Nahe dem Ort Dennewitz entspringt sie und beginnt von dort aus ihren stetigen Lauf, der für die Region seit jeher sowohl als Transportweg als auch als Siedlungsachse fungierte.
In ihrem Ober- und Mittellauf fungiert die Nuthe als eine prägende Verbindungslinie. Auf ihrem Weg in nördlicher Richtung verknüpft sie bedeutende regionale Zentren miteinander:

  • Jüterbog: Die historische Hansestadt markiert einen frühen Fixpunkt im Lauf des Flusses.
  • Luckenwalde: Hier wird der Flusslauf zum Rückgrat der industriellen und siedlungsgeschichtlichen Entwicklung.
  • Trebbin: Diese Stadt bildet den nördlichen Scheitelpunkt, bevor der Fluss seine Charakteristik ändert.
Der hydrologische Wendepunkt bei Trebbin und Gröben
Das Verhalten der Nuthe ist bei Trebbin von einer markanten Richtungsänderung geprägt. Nachdem sie über viele Kilometer stur nach Norden strebte, verändert sie kurz hinter der Stadt ihre Fließrichtung nach Nordwesten. Dieser Richtungswechsel ist entscheidend für die Ausformung des Geländes, da sich der Fluss hier seinen Weg in Richtung Potsdam bahnt, um dort schließlich in die Havel zu münden.
Ein geografischer Schlüsselpunkt findet sich jedoch nahe dem Dorf Gröben. An dieser Stelle trifft die Nuthe auf ihren bedeutendsten Gefährten: die Nieplitz. Mit einer beachtlichen Länge von 51 Kilometern stellt die Nieplitz den größten Nebenfluss dar, dessen Wasser die Nuthe hier aufnimmt.

Die Geometrie der Landschaft: Das "Dreieck"

Die Bezeichnung der Region als Nuthe-Nieplitz-Dreieck ist keine rein poetische Erfindung, sondern folgt einer geometrischen Logik.
  • Die Schenkel: Betrachtet man den Einmündungspunkt bei Gröben als den Scheitelpunkt, an dem zwei Schenkel aufeinandertreffen, so bilden die Läufe der Nuthe und der Nieplitz die begrenzenden Linien.
  • Das Einzugsgebiet: Der gesamte Landstrich, der von diesen beiden Wasseradern eingeschlossen wird, lässt sich folgerichtig als das "Dreieck" bezeichnen.
Diese Region ist jedoch mehr als nur eine flache Ebene zwischen zwei Flüssen. Sie bildet in Gemeinschaft mit den Ausläufern der Hochflächen der Zauche und des Teltows ein Gebiet von besonderem landschaftlichem Reiz. Die Mischung aus Flussniederungen, feuchten Wiesen und den angrenzenden Erhebungen verleiht der "Mark" hier Eigenheiten, die in dieser Kombination einzigartig sind.

Ein Refugium für den modernen Menschen

In der heutigen Zeit hat diese geografische Beschaffenheit eine neue, gesellschaftliche Relevanz gewonnen. Für die Bewohner der umliegenden Städte und insbesondere für das oft als stressüberladen empfundene Berlin fungiert das Nuthe-Nieplitz-Dreieck als ein ideales Nahziel.
Die Landschaft bietet einen Raum für:
  • Erholung und Entspannung: Die weiten Niederungen wirken als natürlicher Puffer zur urbanen Hektik.
  • Sanften Tourismus: Das Ziel ist eine Form der Erkundung, die den sensiblen Naturraum schont und gleichzeitig den Menschen die märkische Heimat Hier ist die maximal ausführliche Ausarbeitung des zweiten Kapitels, basierend auf den geologischen Fakten der Chronik. Wir tauchen tief ein in die Zeit, als gigantische Eismassen die Mark Brandenburg noch fest im Griff hatten.

Die Bildhauer aus Eis: Geologische Entstehung

Gletscher Moräne Urstromtal

Die heutige Morphologie des Nuthe-Nieplitz-Dreiecks ist kein Zufallsprodukt der Erosion, sondern das Ergebnis eines gewaltigen, jahrtausendelangen Bildhauerprozesses durch das Inlandeis. Um die Beschaffenheit des Bodens, auf dem Blankensee heute ruht, zu verstehen, muss man den Blick weit zurück in das Pleistozän richten.

Die Weichselkaltzeit und das Brandenburger Stadium
Die entscheidende Phase für die Formung dieses Landstrichs war die letzte große Vereisung des norddeutschen Raumes während der Weichselkaltzeit. Vor etwa 20.000 Jahren erreichte das Eis in seinem sogenannten Brandenburger Stadium seine größte südliche Ausdehnung. In dieser Epoche schob sich die gewaltige Front des Inlandeises bis zu einer Linie vor, die wir heute geografisch durch die Städte Luckenwalde, Beelitz und Brandenburg markieren können. Alles nördlich dieser Linie war unter einer massiven Eislast begraben, deren Dynamik den Untergrund grundlegend transformierte.

Der „Schiebeschild-Effekt“: Entstehung der Höhenzüge
Das Inlandeis war keine statische Masse, sondern ein dynamisches System. Bei seinem Vorrücken wirkten die Eismassen ähnlich einem gigantischen Schiebeschild. Sie stauchten den anstehenden Untergrund auf oder schoben enorme Erdmassen vor sich her.

  • Die Glauer Berge: Als das Eis schließlich zu schmelzen begann, blieben diese aufgeschütteten Massen als markante Hügelketten in der Landschaft liegen. Die markantesten Zeugen dieses Prozesses sind die Glauer Berge, die sich heute imposant in Richtung Glau-Beuthen und Thyrow erstrecken.
  • Die Löwendorfer Berge: Auch diese waldreichen Erhebungen begrenzen das Nuthe-Nieplitz-Dreieck und verdanken ihre Existenz der enormen Schubkraft der Gletscher.
Schmelzwasser und Talbildung
Die Gestaltung der Region erfolgte jedoch nicht nur durch mechanischen Druck, sondern vor allem durch die erosive Kraft des Wassers während der Wärmeperioden.
  • Das Baruther Urstromtal: Die gewaltigen Wassermassen der abschmelzenden Gletscher flossen primär durch das Baruther Urstromtal ab.
  • Parallele Täler: Zeitgleich bahnten sich Schmelzwasser ihren Weg durch kleinere Täler, die parallel zum Hauptstromtal verlaufen. Diese west-östlich gerichteten Täler werden von nord-südlich verlaufenden Tälern gekreuzt, zu denen auch das eigentliche Nuthe-Nieplitz-Tal zählt.
  • Der Beelitzer Sander: Im Westen wird das Tal durch den Beelitzer Sander begrenzt. Dieser entstand durch die gewaltigen Sandablagerungen eines riesigen Schmelzwasserstroms, der in Richtung des Baruther Urstromtals abfloß. Geografisch wird dieser Sander heute der Hochfläche der Zauche zugeordnet.
Subglaziale Wunder: Das Priedeltal
Eine geologische Besonderheit stellt das westlich von Trebbin gelegene Priedeltal dar. Während das Nuthe-Nieplitz-Tal im Allgemeinen ein weites Wiesental ist, schneidet das Priedeltal als kurze, schmale Vertiefung in die Hochfläche der Löwendorfer Berge ein. Aufgrund seines spezifischen Schwellen-Muldenbaus gehen Geologen davon aus, dass dieses Tal nicht durch oberflächliches Wasser entstand. Stattdessen bohrte sich das Schmelzwasser einen Tunnel direkt durch das Inlandeis, um so einen Abflussweg zu finden.

Das Erbe des Tot-Eises: Die Seenbildung
Die für das Nuthe-Nieplitz-Dreieck so charakteristische Seenkette (Blankensee, Grössinsee, Schiaßer See) ist ebenfalls ein direktes Relikt der schwindenden Eismassen.
  1. Einschlüsse: Während des Gletscherrückzugs brachen massive Eismassen vom Hauptgletscher ab und bohrten sich in den weichen Boden der Niederung.
  2. Toteislöcher: Diese Blöcke wurden oft durch Sedimente überdeckt und blieben so isoliert liegen. Nachdem sie schließlich abschmolzen, hinterließen sie tiefe Senken, sogenannte Toteislöcher.
  3. Heutige Seen: Diese Löcher füllten sich mit Grund- und Oberflächenwasser und bildeten die heutigen Seen. Da diese Gewässer jedoch keine tiefen Becken, sondern eher flache Mulden sind, unterliegen sie heute einer stetigen Verschlammung und zunehmenden Verlandung.
Bodenbeschaffenheit und Oberflächen
Die nördlichen Ränder des Gebiets sind durch zahlreiche Sand- und Lehmflächen gekennzeichnet. Die bedeutendste dieser Flächen ist der Teltow, der einen wesentlichen Teil des heutigen Landkreises Teltow-Fläming einnimmt. Diese Hochflächen liegen deutlich höher als die eigentliche Niederung des Nieplitztales, welche den größten Teil des Dreiecks ausmacht. In den tiefer gelegenen Bereichen finden wir zudem fruchtbaren Mergelboden, der später die Grundlage für die frühe Besiedlung bilden sollte.

Ein Mosaik der Lebensräume: Flora, Fauna und die „Perlenkette“ der Seen

Nieplitz bei Blankensee

Die heutige Gestalt des Nuthe-Nieplitz-Dreiecks besticht durch eine außergewöhnliche Vielfalt, die aus dem Zusammenspiel von eiszeitlich geformten Höhenzügen und wasserreichen Niederungen resultiert. Diese Landschaft bildet in Gemeinschaft mit den Ausläufern der Zauche und des Teltows ein Gebiet von besonderem landschaftlichem Reiz, das Eigenheiten aufweist, die in dieser Form nur hier zu finden sind.

Die „Perlenkette“ der Niederung
Ein prägendes Element der heutigen Landschaft ist die Seenkette, welche die Vielfalt der Region maßgeblich erhöht. Zu dieser Kette gehören der Blankensee, der Grössinsee, der Schiaßer See sowie das etwas abseits gelegene Seechen.

  • Optische Wirkung: Bei strahlend blauem Himmel gleichen die von der Sonne angestrahlten Seen in der Niederung glänzenden Perlen.
  • Perspektive: Von den Erhebungen der Glauer Berge aus betrachtet, liegen sie wie eine durch die Nieplitz aufgereihte Perlenkette zu Füßen des Betrachters.
  • Zustand der Gewässer: Wie in allen durch Toteislöcher entstandenen Gewässern ist die Wassertiefe durch natürliche Verschlammung nur gering. Dies führt dazu, dass eine zunehmende Verlandung der Seen ein beständiger Prozess ist.
Die Flora der Höhen und Wälder
Die Vegetation der Region ist ebenso vielgestaltig wie ihre Geologie. Dabei lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den trockenen Höhen und den feuchten Niederungen feststellen.
  • Baumbestand: Die Höhenzüge sind, dem typischen Bild der märkischen Landschaft entsprechend, vorwiegend mit Kiefern bewachsen. Ergänzt wird dieses Bild durch die Birke, deren weißgefleckte Stämme das Landschaftsbild maßgeblich mitprägen.
  • Eichenvorkommen: Weniger häufig, aber dennoch präsent, ist die Eiche. Hierbei handelt es sich primär um die einheimischen Stiel- und Steineichen, während man vereinzelt auch auf Exemplare der Bluteiche stößt.
  • Bodenflora: In Bereichen, in denen der Wald weniger dicht ist, breitet sich neben Gras vor allem Heidekraut aus. Im Frühjahr verwandelt sich das buschartige, tiefer gelegene Gelände durch die weißen Teppiche der Anemonen in ein beeindruckendes Blütenmeer.
  • Wildfrüchte und Pilze: Die Brombeere ist die am häufigsten anzutreffende Wildfrucht in den Wäldern des Gebiets. Pilzsammler finden eine große Vielfalt, insbesondere Pfifferlinge, Maronen und Birkenpilze, während Steinpilze in etwas geringerer Menge vorkommen.
Die genutzte Landschaft: Ackerbau und Wiesen
Die Talniederungen des Nuthe-Nieplitz-Dreiecks werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Ein Großteil dieser Flächen besteht aus Wiesen.
  • Anbauprodukte: Die Palette der landwirtschaftlichen Erzeugnisse umfasst Getreide (Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Mais), Kartoffeln, Rüben, verschiedene Gemüsearten sowie Futter- und Ölpflanzen.
  • Wiesen versus Wiesenmoor: Trotz umfangreicher Entwässerungsmaßnahmen (Melioration) trifft man heute wieder vermehrt auf das ursprüngliche Wiesenmoor.
  • Unterscheidungsmerkmale: Besonders zur Blütezeit lassen sich die beiden Flächentypen gut unterscheiden. Während die Nutzwiesen durch rote, gelbe und weiße Blüten in farbenprächtige Teppiche verwandelt werden, zeigen die nassen und sauren Flächen der Moore lediglich ein eintöniges Grün, da ihnen dieser Blumenschmuck fehlt.
Die Lebewelt der Gewässer und Uferzonen
Die Seen sind nicht nur optische Highlights, sondern auch wirtschaftliche und ökologische Lebensräume.
  • Schilfgürtel: Breite Schilfgürtel säumen die Seen und bieten vor allem dem Wassergeflügel einen hervorragenden, geschützten Lebensraum. Für den Menschen stellt das Schilf jedoch ein Hindernis dar, da es – von wenigen Ausnahmen abgesehen – den direkten Zugang zum Seeufer verhindert.
  • Fischfauna: Die Seen werden fischwirtschaftlich genutzt. Besonders die Karpfen gedeihen hier prächtig. Darüber hinaus sind Aale, Hechte, Zander sowie zahlreiche Arten von Weißfischen in den Gewässern heimisch.
Diese natürliche Beschaffenheit macht das Nuthe-Nieplitz-Dreieck zu einem idealen Nahziel für die Erholung und Entspannung, insbesondere für die Bewohner des „stressüberladenen“ Berlins. Es ist ein Ort, der durch einen sanften Tourismus erlebbar gemacht werden kann, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren.

Früheste Spuren: Von Mammuts und den ersten Jägern

Jäger und Mammut im Wald bei Blankensee

Das Nuthe-Nieplitz-Dreieck ist nicht nur eine faszinierende Naturlandschaft, sondern auch ein bedeutendes Archiv für die Menschheitsgeschichte. Insbesondere die weitere Umgebung des Dorfes Blankensee hat sich über Jahrzehnte als ein wertvolles Forschungsobjekt für Archäologen, Geschichtswissenschaftler und Heimatforscher erwiesen.

Die Pioniere der Forschung
Dass wir heute ein so klares Bild der Vergangenheit zeichnen können, verdanken wir namhaften Wissenschaftlern, die den Boden der Region systematisch untersuchten:

  • Archäologen: Forscher wie Hohmann und Kiekebusch suchten hier mit Erfolg nach ur- und frühgeschichtlichen Funden.
  • Historiker: Gelehrte wie RiedelHeffterGercken und Berghaus widmeten sich der Analyse der geschichtlichen Abläufe.
  • Heimatkundler: Lokale Experten wie PomplunEitze und Peters erkoren sich speziell Blankensee und seine unmittelbare Nachbarschaft für ihre intensiven Nachforschungen aus.
Zeugen der Zwischeneiszeit: Die Ära der Mammuts
Bevor die ersten Menschen das Gebiet dauerhaft besiedelten, durchstreiften eiszeitliche Riesen die Region. Da wirkliche Siedlungsspuren erst nach der letzten Eiszeit auftreten, sind Funde aus der Zeit davor selten und liegen meist tief im Boden verborgen.
  • Großbeuthen: In etwa 10 Metern Tiefe konnten in zwischeneiszeitlichen Kiesschichten fossile Knochenfunde von Tieren aufgedeckt werden.
  • Jütchendorf: Bei Erdarbeiten im groben Kies stieß man in einer Tiefe von 1,50 Metern auf Mammutknochenund sogar einen gut erhaltenen Mammutzahn.
  • Blankensee: Auch hier gab der Boden in den gleichen Schichten Geheimnisse preis – das Bruchstück eines weiteren Mammutzahnes kam zum Vorschein.
Das Mesolithikum: Die ersten Pioniere (ca. 8000 – 4500 v.d.Z.)
Die eigentliche Geschichte der Menschheit beginnt in diesem Territorium mit dem Mesolithikum, der mittleren Steinzeit. Die Menschen dieser Ära waren in Großfamilien oder Sippen organisiert und begannen bereits, sich über längere Zeiträume an festen Wohnplätzen aufzuhalten.

Lebensweise und Überlebensstrategien:
  • Ernährung: Die Bewohner lebten als Jäger, Sammler und Fischer.
  • Innovation: Sie entwickelten spezialisierte Jagdgeräte wie Harpunen, die aus spindelförmig bearbeitetem Knochen bestanden, in die scharfe Steinabschläge eingepasst waren.
  • Fischfang: Neben geschnitzten Knochenharpunen mit Widerhaken wird vermutet, dass bereits Netze genutzt wurden, auch wenn sich diese im Gegensatz zu anderen Regionen im Nuthe-Nieplitz-Dreieck bisher nicht archäologisch nachweisen ließen.
Archäologische Hotspots der Steinzeit
Die frühen Bewohner wählten ihre Plätze klug. Sie bevorzugten trockene Erhebungen und Dünen in der Nähe von Wasserquellen.
  • Schiaß: Auf dem Mühlenberg befanden sich Wohnplätze mit Steinschlagstätten, an denen Steinwerkzeuge industriell gefertigt wurden.
  • Körzin & Blankensee: Auch auf den Dünen bei Körzin und an der Düne am „Seechen“ in Blankensee fanden sich deutliche Spuren solcher Werkstätten.
  • Jühnsdorf: Nordöstlich des Nieplitztales, auf dem Horst des Lindenberges am Rangsdorfer See, entdeckte man sogar mittelsteinzeitliche Wohngruben inklusive Herdstellen und Abfallgruben.
Interessanterweise finden sich an den Schlagstätten bei Blankensee keine Keramikscherben, was darauf hindeutet, dass das Handwerk der Töpferei hier erst später Einzug hielt. Erste Anfänge der sogenannten Binsenkeramik lassen sich erst durch Funde auf dem Katzenberg bei Beelitz erahnen. Gräberfelder oder Einzelgräber aus dieser spezifischen Zeit sind in der Region bislang nicht bekannt.

Die Neolithische Revolution: Sesshaftigkeit und früher Ackerbau

Erste Siedler bei Blankensee

Der Übergang vom Mesolithikum zum Neolithikum (Jüngere Steinzeit, ca. 4500 – 2000 v.d.Z.) markiert einen der tiefgreifendsten Einschnitte in der Geschichte des Nuthe-Nieplitz-Dreiecks. Während die Menschen zuvor als nomadische Jäger und Sammler umherzogen, entwickelten sie nun Lebensformen, die auf dauerhafter Sesshaftigkeit, Ackerbau und Viehzucht basierten.

Klimatische Gunst und Siedlungsexpansion
Dieser kulturelle Wandel wurde maßgeblich durch klimatische Veränderungen begünstigt. Das Klima in der märkischen Heimat wurde spürbar wärmer, was weitreichende Folgen für die Hydrologie der Region hatte.

  • Sinkende Wasserstände: Der Wasserstand der Flüsse und Seen sank ab, was wiederum zu einer Senkung des Grundwasserspiegels führte.
  • Neulandgewinnung: Große Teile der zuvor verkehrs- und siedlungsfeindlichen Sumpfgebiete trockneten aus.
  • Erweiterter Lebensraum: Die Siedlungsfläche für den Steinzeitmenschen vergrößerte sich massiv. Während man zuvor fast ausschließlich auf trockenen Sandschollen, Horsten oder erhöhten Uferrändern siedelte, zogen die Menschen nun auch direkt in die Niederungen.
  • Standortvorteile: Bevorzugt wurden Stellen, die fruchtbaren Mergelboden und weite Graslandschaften boten – ideale Voraussetzungen für die beginnende Landwirtschaft. Dennoch blieb die Nähe zum Wasser wichtig; viele Funde an Nuthe und Nieplitz belegen eine dichte Besiedlung entlang der Flussläufe.
Die Wiege der märkischen Landwirtschaft
Mit dem Neolithikum etablierte sich eine produzierende Lebensweise. Die Bewohner des Nuthe-Nieplitz-Dreiecks begannen, die Natur gezielt zu ihren Gunsten umzugestalten.
  • Pflanzenbau: Die Steinzeitbauern kannten bereits den Anbau von GersteHirse und Buchweizen.
  • Viehzucht: Aus der bloßen Haltung von Wildtieren entwickelte sich eine systematische Viehzucht. Zum Viehbestand gehörten Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen.
  • Verarbeitung: Um die Getreidekörner genießbar zu machen, wurden sie zu grobem Mehl verarbeitet. Archäologische Funde aus BlankenseeSchiaßLiebätz und Luckenwalde brachten kugelartige oder ovale Reibesteine sowie trogförmig ausgehöhlte Findlingssteine ans Licht.
  • Ernährung: Das Mehl wurde zunächst zu Brei angerührt und später auf heißen Steinen zu Fladenbrot gebacken.
Technologische Innovationen: Vom Walzenbeil zum Hakenpflug
Die Werkzeugtechnik erreichte im Neolithikum eine neue Qualitätsstufe. Die Menschen lernten, Stein nicht mehr nur zu schlagen, sondern durch Schliff und Politur hochspezialisierte Geräte zu fertigen.
  • Walzenbeile: Charakteristisch für diese Zeit sind rundliche und ovale Felsgesteinbeile mit geschliffenen Schneiden und Nackenbearbeitung, die unter anderem bei BlankenseeJütchendorf und Gröben gefunden wurden.
  • Bodenbearbeitung: Anfangs nutzten die Menschen einfache Hacken aus Geweih- oder Baumästen. Zum Ende der Jungsteinzeit setzte sich jedoch der Pflug in seiner einfachsten Form durch. Durchbohrte, schuhleistenförmige Felssteinkeile dienten dabei als Vorläufer des sogenannten Hakenpfluges.
  • Handwerkliche Meisterschaft: Spätere Kulturen, die in das Gebiet einwanderten, brachten hervorragend geschliffene Feuersteinäxte, Meißel und Dolche mit. Pfeil- und Lanzenspitzen wurden nicht nur funktional gestaltet, sondern auch fazettiert und verziert.
  • Die Luckenwalder Knochensichel: Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für das handwerkliche Können ist eine in Luckenwalde gefundene Sichel aus Knochen, in deren Schneide scharfe Feuersteinklingen eingepasst waren.
Handwerk, Handel und kulturelle Vielfalt
Die Sesshaftigkeit ermöglichte die Entwicklung spezialisierter häuslicher Handwerke.
  • Weben und Spinnen: Zahlreiche Funde von Spinnwirteln und Webegewichten aus Stein oder gebranntem Ton belegen die Herstellung von Textilien.
  • Töpferei und Austausch: Die Keramikfunde verraten nicht nur eine hochentwickelte Töpferei, sondern auch weitreichende Handelsbeziehungen. Neben einheimischen Formen finden sich Gefäße der Schnurkeramiker, der Glockenbecher- und der Kugelflaschenkeramiker. Dies deutet darauf hin, dass die Menschen des Nuthe-Nieplitz-Dreiecks bereits mit weit entfernt lebenden Gruppen in Verbindung standen und Erzeugnisse tauschten.
Ein Fenster in die Vergangenheit: Das Steinkistengrab von Körzin
Während Hausgrundrisse aus dieser Zeit im Fundgebiet bislang fehlen, lieferte ein Zufallsfund bei Körzin wertvolle Einblicke in die Bestattungskultur der Jungsteinzeit. Auf einem Sandhügel nahe dem Blankensee wurde eines der äußerst seltenen Steinkistengräber entdeckt.
  • Konstruktion: Die Grabkiste bestand aus vier etwa 15 cm dicken Steinplatten mit Abmessungen von 1,00 m mal 0,75 m und war durch drei große Feldsteine abgedeckt.
  • Inhalt: In der Kiste fand man das Skelett eines Menschen in Hockerstellung. Als Grabbeigaben dienten etliche Tonscherben und ein fein polierter, kahnförmiger Hammer aus Stein.

Bronzezeit und die Ära der Semnonen: Metallglanz und antike Berichte

Funde aus der Bronzezeit

Mit dem Ende der Jungsteinzeit vollzog sich ein schleichender, aber unaufhaltsamer Wandel in der Werkstoffkunde des Nuthe-Nieplitz-Dreiecks: Die Bronzezeit begann. Doch der Übergang war kein abrupter Bruch; die bodenständige Bevölkerung nutzte ihre bewährten Steingeräte noch über einen langen Zeitraum parallel zu den neuen Metallen.

Die Lausitzer Kultur und regionale Keramikstile
Um 1400 v. d. Z. entwickelte sich, vermutlich ausgehend von der Lausitz, eine neue kulturelle Strömung, die in der jüngeren Bronzezeit auch das Nuthe-Nieplitz-Gebiet erreichte.

  • Regionale Unterschiede: Während in Luckenwalde und Umgebung die sogenannte Buckelkeramik vorherrschte, wurde diese in der direkten Nuthe-Nieplitz-Niederung bisher nicht nachgewiesen.
  • Lokale Formen: In Orten wie Blankensee, Lüdersdorf und Siethen fanden sich stattdessen vorwiegend Doppelkegel- und Tönnchenformen, die oft mit charakteristischen Sparrenmustern verziert waren.
Bronzeschätze aus Gräbern und Äckern
Obwohl bronzene Grabbeigaben aus dieser Zeit insgesamt selten sind, lieferte der Boden um Blankensee bemerkenswerte Funde.
  • Schmuckfunde: In Blankensee entdeckte man in einem doppelkonischen Gefäß bronzene Schmucknadeln, Armreifen und Drahtringe. Auf einem Acker am „Seechen“ wurden zudem seltene Schlangenkopfarmbänder als Streufunde geborgen.
  • Waffen und Gerät: Auf dem Blankenseer Kirchhof stieß man auf ein zerbrochenes Urnengefäß, das Bruchstücke von Bronzedolchen, eines Bronzeschwertes sowie einer Sichel enthielt.
  • Stangenhagen: In einem Grab bei Stangenhagen konnten Fibeln, eine Vasenkopfnadel und ein Drahtring gesichert werden.
  • Bestattungskultur: Die meisten dieser Funde stammen aus Gräbern oder Gräberfeldern, wobei die Verstorbenen nach dem damaligen Ritus verbrannt wurden.
Keltische Einflüsse und die Töpferscheibe
In Jütchendorf machten Archäologen eine bedeutende Entdeckung: Gefäße, bei denen bereits die Arbeit mit der Töpferscheibe erkennbar war. Man geht davon aus, dass diese frühen Drehscheibengefäße als kostbare Einfuhrware aus keltischen Gebieten in das Nuthe-Nieplitz-Dreieck gelangten.

Das Volk der Semnonen: Die ersten schriftlichen Zeugnisse
Mit der Zeit der Semnonen tritt unsere Region aus dem Dunkel der Vorgeschichte in das Licht der geschriebenen Historie. Römische Geschichtsschreiber wie Tacitus, Strabo und Dio Cassius lieferten die ersten Berichte über diesen Stamm.
  • Siedlungsgebiet: Die Semnonen besiedelten ein weites Areal, das den Teltow, das Havelland, die Prignitz, Ruppin und den Barnim umfasste. Die Grenze zu den benachbarten Hermanduren verlief dabei quer durch den Fläming.
  • Gesellschaftlicher Status: Die Römer beschrieben die Semnonen als das älteste und vornehmste Volk der Sueben.
  • Politische Kontakte: Überliefert ist der Besuch des Semnonenkönigs Masyus und der Seherin Ganna am Hof des römischen Kaisers Domitian im Jahr 91 u. Z., von wo sie reich beschenkt zurückkehrten.
  • Kriegerische Verwicklungen: Die Semnonen kämpften unter anderem an der Seite des Cheruskerfürsten Arminius in der Schlacht im Teutoburger Wald (9 u. Z.).
Kultur und Alltag der Semnonen
Die Semnonen waren ein sesshaftes Bauernvolk, das Ackerbau und Viehzucht betrieb, wobei Jagd und Fischfang weiterhin wichtige Säulen der Ernährung blieben.
  • Handwerk: Das Können ihrer Schmiede zeigte sich in fortschrittlichen Waffen und Werkzeugen aus Eisen.
  • Gebrauchskunst: Ihre Keramik war häufig rädchenverziert, und gefundener Schmuck sowie Hausrat zeugen von einem hohen kulturellen Standard.
Völkerwanderung und historisches Vakuum
Mit dem Jahr 200 u. Z. begann im Zuge der Völkerwanderung die allmähliche Abwanderung der Semnonen. Dieser Prozess zog sich über fast 200 Jahre hin, wobei Teile des Stammes noch bis Ende des 4. Jahrhunderts in der Region verblieben.
  • Bevölkerungsschwund: Schließlich wurde der Raum immer siedlungsleerer. Zwar drangen die Burgunder (ein Ostgermanenstamm) bis in den Teltow vor, besiedelten das Nuthe-Nieplitz-Dreieck jedoch nicht mehr dauerhaft.
  • Die Zeit des Schweigens: Vom 4. Jahrhundert bis um das Jahr 700 hüllt sich die Geschichte der Region in Schweigen. Weder archäologische Beweise noch schriftliche Überlieferungen geben Hinweise auf das Leben in dieser Zeit, auch wenn anzunehmen ist, dass das Land nie gänzlich menschenleer war.

Die slawische Ära: Heveller, Handwerk und hölzerne Festungen

Historische Schmiede in Blankensee

Nachdem die Region infolge der Völkerwanderung für nahezu drei Jahrhunderte in ein historisches Schweigen gehüllt war, bot das entstandene Bevölkerungsvakuum ab dem 8. Jahrhundert Raum für neue Völkerschaften. Es begann die Landnahme durch slawische Stämme, die das Nuthe-Nieplitz-Dreieck nachhaltig prägen sollten.

Die Ankunft der Heveller
Volksstämme der Polaben (Elbslawen) rückten in den siedlungsleeren Raum vor, in dem sie auf keinerlei Widerstand stießen. Da die ältesten slawischen Bodenfunde in Brandenburg auf die Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert datiert werden, ist anzunehmen, dass spätestens zu Beginn des 9. Jahrhunderts die ersten festen Ansiedlungen im Nuthe-Nieplitz-Dreieck entstanden.
Die Menschen, die sich hier niederließen, nannten sich Heveller (Havelländer). Ihr Siedlungsbereich war Teil des Gaus Ploni – benannt nach dem Flüsschen Plane –, zu dem neben der Zauche und dem Gebiet bis Luckenwalde auch die strategisch wichtigen Anlagen beiderseits der Nuthe und Nieplitz gehörten.

Strategische Siedlungswahl
Die slawischen Siedler bewiesen ein tiefes Verständnis für die Hydrologie der Region. Sie mieden zunächst die Hochflächen fast gänzlich und konzentrierten sich auf die wasserreichen Niederungen.

  • Wohnplätze: Bevorzugt wurden hochwasserfreie Sandinseln inmitten der feuchten Täler.
  • Beispiele: Orte wie BlankenseeSchiaßStangenhagenKörzinTrebbin und Kliestow verdanken ihre Lage dieser slawischen Siedlungstradition.
  • Randlagen: Alternativ siedelten sie an den Rändern der Hügelketten, wie etwa bei Glau oder Löwendorf.
Landwirtschaft und Ernährung
Die Slawen waren ein Bauernvolk, das den Ackerbau extensiv, aber auf vergleichsweise kleinen Flächen betrieb.
  • Anbau: In den fruchtbaren Niederungen kultivierten sie Buchweizen, Hirse, Gerste und Roggen.
  • Technik: Zur Bodenbearbeitung nutzten sie den Hakenpflug, der bereits mit einer eisernen Pflugschar bewehrt war, um den Boden aufzureißen und teilweise umzubrechen.
  • Lagerung: Das geerntete Getreide wurde in speziell angelegten Silogruben gelagert; erst in der spätslawischen Zeit kamen oberirdische Scheunen auf.
  • Verarbeitung: Mit Handmühlen verarbeiteten die Frauen das Korn zu Mehl, das als Basis für Brei oder gebackenes Brot diente.
Die Viehzucht war vielseitig und umfasste Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Geflügel. Auch kleine, robuste Pferde wurden gehalten, die primär als Reittiere dienten. Ergänzt wurde die Ernährung durch den ertragreichen Fischfang in den damals überaus fischreichen Gewässern sowie durch die Jagd, die immerhin ein Drittel bis die Hälfte des Fleischbedarfs deckte. Eine besondere Rolle spielte zudem die Bienenhaltung (Zeidlerei) in den riesigen Wäldern und Heiden der Region.

Hochentwickeltes Handwerk und Handel
Das slawische Handwerk zeichnete sich durch eine ausgeprägte Arbeitsteilung und technisches Geschick aus.
  • Metallverarbeitung: In Schmelzöfen gewannen sie Roheisen aus lokalem Raseneisenstein. Die Schmiede fertigten daraus nicht nur Waffen, sondern auch Werkzeuge, Schlösser und Kleingut, das bei Nachbarvölkern als Handelsgut begehrt war.
  • Holzbaukunst: Die Zimmerleute errichteten komplexe Burganlagen, Brücken und stabile Bohlenwege durch das sumpfige Gelände.
  • Währung: Der Handel basierte zunächst auf gewogenem Silber. Um eine Vorstellung vom Wert zu geben: Bei den Hevellern entsprachen etwa 200 bis 400 Gramm Silber dem Wert eines Pferdes oder dreier Ochsen.
Die Burgwälle: Zentren der Macht
Das markanteste Erbe dieser Zeit sind die Burgwallanlagen. Diese Wehranlagen fungierten als militärische, administrative und religiöse Mittelpunkte eines Burgbezirks, der meist einen Siedlungsraum von 5 bis 30 Kilometern Durchmesser umfasste.
  • Bauweise: Auf Sand- oder Lehmschollen im Sumpf wurden kreisrunde Anlagen mit einem Innendurchmesser von 40 bis 80 Metern abgesteckt. Die Wälle wurden mit Wehrgängen oder hölzernen Palisadenzäunen befestigt.
  • Standorte: Solche Anlagen finden sich unter anderem in BeuthenGröbenStangenhagenKörzin und natürlich Blankensee.
  • Verwaltung: In den Burgen saßen Burgvorsteher, die vermutlich von den Siedlungsverbänden gewählt wurden. Über mehreren Burgbezirken stand oft ein Wahladeliger, der in alten Chroniken als "Szuppan" bezeichnet wird.
Blankensee: Vom Burgwall zum Schloss
Besondere Bedeutung kommt der Lage in Blankensee zu. Historische Schriften und die geografische Lage legen nahe, dass sich auf einer heute durch Melioration verschwundenen Nieplitzinsel die Burg eines solchen Szuppans befand. Dieser Ort blieb über Jahrhunderte ein Zentrum der Macht: An der Stelle der alten slawischen Befestigung entstanden später Nachfolgebauten, bis schließlich im Jahr 1740 das heutige Sudermannschloß als letztes großes Bauwerk an diesem geschichtsträchtigen Ort errichtet wurde.

Kontakt

Blankenseer Dorfgemeinschaft e.V.
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Weidenweg 6
14959 Trebbin
Telefon/Fax: 033731-12343
E-Mail: post@blankensee.org

Ortsbeirat

Johann Reuter (Ortsvorsteher)
Niko Zander (Ortsbeiratsmitglied)
Holger Tzitschke (Ortsbeiratsmitglied)
Kontakt: blankensee@obr.stadt-trebbin.de